Mit der Kamera in Kirgistan

Mit der Kamera in Kirgistan

In der Berlinale-Reihe Perspektive Deutsches Kino liefen dieses Jahr zahlreiche Dokumentarfilme. Auf zwei davon möchten wir hier gerne aufmerksam machen, denn sie wurden in Kirgistan gedreht.

Den bisher stärksten Eindruck hinterlässt »Flowers of Freedom« von Mirjam Leuze – ein unabhängig produzierter Film über eine starke Gruppe Frauen in Kirgistan. Über fünf Jahre begleitete Mirjam Leuze in Kirgisistan eine Gruppe Aktivistinnen im ungleichen Kampf gegen eine kanadische Goldmine. Sie drehte selbst und in ihren Bildern wird die Nähe zu den Frauen sehr deutlich.

Inhalt: Täglich donnern durch das kirgisische Dorf Barskoon riesige LKWs mit einer tödlichen Fracht: Zyanid, eine hochgiftige Chemikalie, mit deren Hilfe in der nahe gelegenen Kumtor-Mine Gold abgebaut wird. 1998 stürzt ein mit Zyanid beladener LKW in den Fluss des Dorfes, Menschen sterben und Hunderte von Dorfbewohnern erkranken. Sieben Jahre später – in denen die kirgisische Regierung nichts unternommen hat – beginnen mutige Frauen ihren Kampf für die Rechte der Opfer. Erkingül und ihre Mitstreiterinnen gründen eine kleine Umweltorganisation, blockieren die Zufahrt zur Mine und schaffen es schließlich, 3,7 Mio. US-Dollar Entschädigung von der kirgisisch-kanadischen Goldmine zu erstreiten.

Als im Frühjahr 2010 eine Revolution die Regierung von Präsident Bakijew stürzt, sind die Frauen ganz vorne mit dabei. Erkingül gelingt nach den ersten demokratischen Wahlen der Sprung ins Parlament, und sie führt ihren Kampf gegen die Goldmine als Politikerin weiter. Ihre Freundinnen bleiben im Dorf zurück.
Humorvoll und mit großer Nähe zu den Aktivistinnen zeigt der Film das politische Engagement der Frauen, ihr Ringen um Gerechtigkeit und das Leben und Überleben in einem kirgisischen Dorf.

Hier gehts zum Trailer:

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Ebenfalls in Kirgistan gedreht ist »Bosteri unterm Rad« von Levin Hübner von der ifs-Filmschule in Köln. Auch er nutzt die exotischen Bilder aus dem fernen Osten, ist aber wesentlich unpolitischer. Eine schräge Dokumentation von einem ungewöhnlichen Ort.

Inhalt: Bosteri ist ein Flecken mitten in der kirgisischen Steppe, am Rand des Tien-Shan-Gebirges und am Ufer des heiligen Sees, dem Issyk Kul, einem der größten Gebirgsseen der Erde. Hier scheint die Welt aus der Zeit gefallen zu sein – zumindest zehn Monate im Jahr, in denen die großen Hotels und Sanatorien geschlossen sind, zwischen den leeren Buden des Vergnügungsparks Kühe grasen und das weithin sichtbare Riesenrad am Strand still steht. Iskander ist Hirte; zusammen mit seiner Frau führt er seine Tiere schon seit jeher auf diese Weide, auf der heute der Müll der abgereisten Touristen vergammelt. Ebenfalls zu Füßen des Riesenrads steht Evgeniy am menschenleeren Ufer des Issyk Kul und wirft stoisch seine Angel aus – auch wenn er tagelang nichts fängt. Und dann ist da noch die euphorisierte Rentnerin Margarita, die trotz spätherbstlicher Kälte ihren täglichen Baderitualen nachgeht, immer darauf bedacht, dass ihr beim Schwimmen die Wollmütze nicht vom gepflegten Haupt rutscht. Eine Reihe wunderbarer Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen, die der Sommer zurückgelassen hat.

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