Kirgistans Hauptstadt BischkekAm 31. August 1991 erklärte Kirgistan seine Unabhängigkeit von der damaligen UdSSR, seitdem ist dieser Tag der Nationalfeiertag der Kirgisen. Die Verfassung von 1993 war an westlichen Vorbildern orientiert und sah ein gewaltenteilendes Regierungssystem mit einer starken Stellung des Staatspräsidenten sowie einer weiten Palette an Grundrechten vor. Nach den Parlamentswahlen 2005, die nach Angaben von OSZE-Beobachtern nicht demokratischen Standards entsprachen, kam es zu Unruhen, die zur so genannten Tulpenrevolution führten. Präsident Akajew und seine Regierung traten unter dem Druck der Demonstrationen am 23. März 2005 zurück. Oppositionsführer Kurmanbek Bakijew wurde zum Übergangspräsidenten bestimmt und bei den Präsidentschaftswahlen am 10. Juli im Amt bestätigt. Sein Partner Felix Kulow wurde Regierungschef. Am 27. Juni 2010 stimmte die Bevölkerung Kirgistans über eine neue Verfassung ab. Almasbek Scharschenowitsch Atambajew ist seit dem 17. Dezember 2010 Regierungschef seines Landes. Seit 2010 ist Kirgisistan eine parlamentarische Republik.

Freie Wahlen sind in den häufig autoritär geführten Ländern Zentralasiens nicht selbstverständlich. Kirgistan hat allerdings mit den am 01. Oktober 2015 abgehaltenen Parlamentswahlen gezeigt, dass es sich auf einem guten Weg befindet. Bei dieser Wahl sind erstmals sowohl die Wähler wie auch ihre Stimmen direkt elektronisch erfasst worden, um den Raum für Wahlbetrug zu minimieren. Das Fazit internationaler Beobachter war hinterher durchweg positiv: der Einsatz neuer Technologien sei in vieler Hinsicht erfolgreich gewesen, die Auswahl für die Wähler groß und damit der Urnengang einzigartig für die Region. Im Ergebnis verteidigte die herrschende prorussische Partei ihre Position, die drei stärksten Parteien sind nun: SDPK 26,90 %; Respublika Ata Dschurt 21,03 %; Kirgistan 12,41 %. Präsident Atambajew steht den regierenden Sozialdemokraten sehr nahe, die im Parlament eine Koalition anführen.

 

Kirgisischer Reiter mit seiner Vieh-Herde in der Sonkul-Ebene Kirgisische Händlerfamilie auf dem Markt in Karakol Kirgisisches Parlament in Bischkek Kirgiesisches Dorf

Die Kirgisen (64,9 % der Bevölkerung) werden aufgrund ihrer Sprache den Turkvölkern zugerechnet und bekennen sich überwiegend zum sunnitischen Islam. Außerdem leben Usbeken (13,8 %), Russen (12,5 %), Dunganen (chinesische Muslime, 1,1 %), Uiguren (1,0 %), Ukrainer (1,0 %), Tadschiken (0,9 %), Tataren (0,9 %), Kasachen (0,9 %) und Angehörige weiterer Ethnien wie etwa 57.000 Mescheten im Lande. Anfang der 1990er Jahre lebten noch ca. 100.000 Deutsche (Kirgisistandeutsche) (meist Baptisten oder Mennoniten) dort; sie sind inzwischen mehrheitlich nach Deutschland ausgewandert, aber es gibt noch kleine deutsche Gemeinden in Dörfern wie Luxemburg und Rot-Front. 1999 gab es nur noch etwa 20.000 Deutsche (Bevölkerungsanteil 0,4 %) in Kirgisistan. Im Jahre 2007 wurde ihre Zahl auf 12.000 geschätzt.