auf dem Markt in Bischkek

Nach der Unabhängigkeit hatte Kirgistan eine vollkommen auf den Markt der Sowjetunion ausgerichtete Wirtschaftsstruktur. Während zu Sowjetzeiten im Norden moderne urbane Zentren gegründet wurden, blieb der Süden mit seiner großen usbekischen Minderheit ländlicher geprägt. Ethnische Konflikte im Süden sowie eine Unterrepräsentanz des Südens in der kirgisischen Politik bergen weiter ein Spannungspotenzial. Diesem wird mit präsidialer Kontrolle über die Provinzgouverneure einerseits sowie Investitionsprogrammen für den Süden andererseits zu begegnen versucht. Unter Präsident Almasbek Atambajew hat sich Kirgistan in den vergangenen Jahren stärker an Russland angenähert. Am 12. August 2015 führte Atambajew das Land in die vom Kreml dominierte Eurasische Wirtschaftsunion, während sich das Verhältnis zu den USA lockerte. Handelspartner sind vorwiegend Russland, China und Kasachstan.

Im Jahr 2014 betrug das BIP Kirgistans 7,4 Mrd. US-Dollar. Die Wirtschaft des Landes ist generell wenig vielfältig. Zu den wichtigsten Sektoren gehört der Bergbausektor. Kirgistan besitzt Uranvorkommen; eine Anlage zur Herstellung von angereichertem Uran ist in Planung. Diese soll von einem russisch-kasachisch-kirgisischem Joint Venture erstellt und betrieben werden; die Gelder kommen zum Großteil aus Russland. Des Weiteren besitzt Kirgistan enorme Vorkommen an Seltenen Erden und Gold. In internationalen Geologenkreisen nennt man die Region “Tien Shan Gold Belt”. Es erstreckt sich über Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan. Das Vorkommen der Goldmine Kumtor mit 18 Millionen Unzen Gold zählt mit zu den größten Goldvorkommen der Welt (Anteil am BIP 2014: 8%).

Issyk-KulMit jeweils 15 % des BIP bilden die verarbeitende Industrie und die Landwirtschaft zwei der Säulen der kirgisischen Wirtschaft. 75 % des Ackerlandes wurden an die ländliche Bevölkerung verteilt, der Rest wurde den ländlichen Gemeindeverwaltungen unterstellt, damit sie durch Pachteinnahmen eine eigene Finanzquelle haben. 85 % der landwirtschaftlichen Produktion stammen mittlerweile aus Privatbetrieben. Die wichtigsten Erzeugnisse sind Tabak, Baumwolle, Kartoffeln, Gemüse, Trauben, Früchte und Beeren, Schafe, Ziegen, Rinder, Wolle.

Ein weiterer wichtiger wirtschaftlicher Faktor sind auch die im Ausland – vor allem in Russland, aber auch in Kasachstan – arbeitenden Kirgisen. Laut Schätzungen überweisen zwischen 500.000 und 800.000 Gastarbeiter jährlich ca. 2 Mrd. USD nach Kirgistan, dies macht rund 25 % des BIP aus.

Der Dienstleistungssektor trägt seit einiger Zeit mehr zum BIP bei als die bisher dominierende Landwirtschaft. Die Liberalisierung der kirgisischen Wirtschaft führte zum Erstehen unzähliger Familienbetriebe im Einzelhandels- und Nahrungsmittelgewerbe. Die landschaftliche Schönheit Kirgisistans birgt ein gewisses touristisches Potenzial, das zur Realisierung aber eine entsprechende, wenig vorhandene Infrastruktur voraussetzt. So beschränkt sich der Fremdenverkehr bisher größtenteils auf die jährlich etwa 500.000 Besucher aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und auf Abenteuertouristen sowie Trekker und Bergsteiger.

Die zum größten Teil ebenfalls staatlich kontrollierte Förderung von Gas, Öl und Kohle ist im Vergleich zu den anderen zentralasiatischen Republiken marginal. Das ohnehin beschränkte Potenzial kann aufgrund mangelnder und mangelhafter Anlagen nicht optimal genutzt werden.

 

Backwaren-Händler auf dem Markt in Bischkek Unterwegs auf dem Pamir Highway Unterwegs auf dem Pamir Highway Unterwegs auf dem Pamir Highway