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Landbevölkerung in Kirgistan

Ethnien und Religion in Kirgistan

Sunnitisch-muslimische Prägung

Die Kirgisische Republik ist seit ihrer Unabhängigkeit 1991 ein säkularer Staat. Das Land ist mit der Islamisierung im 10. bis 12. Jahrhundert vorwiegend muslimisch geprägt. 75% der Einwohner sind heute sunnitische Muslime. Kirgistan sieht sich in letzter Zeit zunehmend mit dem Wirken von muslimischen Fundamentalisten konfrontiert. Zweitstärkste Gruppe ist das Christentum, 20 Prozent der Bevölkerung sind russisch-orthodox. Daneben existieren auch evangelische und katholische Christen im Land. Erste Christen gab es schon im 7. Jahrhundert. Diese gehörten der nestorianischen Kirche an, die heute nur noch im Irak, Iran und in Syrien besteht. In Ak-Besim und in Navekat grub man zwei Gotteshäuser aus.

Vielvölkerstaat der Sowjet-Ära schrumpft

Kirgistan entwickelte sich in der Sowjet-Ära zu einem Vielvölkerstaat, so siedelten zum Ende der UdSSR etwa 80 Nationalitäten im Land. Bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts gab es gerade einmal drei Völker, die hier siedelten – die Kirgisen, die Usbeken und Tadschiken. Die Existenz der verschiedenen Ethnien führte in der Geschichte immer wieder zu Konflikten. Die Usbeken, die ca. 15% der Bevölkerung ausmachen und vor allem im Süden des Landes (Fergana-Becken), in der Nähe der usbekischen Grenze leben, stehen immer wieder im Konflikt mit den Kirgisen. Dieses problematische Verhältnis in Südkirgistan besteht seit 150 Jahren und eskalierte nach dem Untergang der UdSSR in bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit tausenden Toden. Dreh- und Angelpunkt dieser Auseinandersetzungen sind Ressourcen wie Wasser –und Bodenrechte, die in diesem Gebiet schon immer knapp vorhanden waren und durch die wirtschaftliche Krise weiter angeheizt wurden. Die Russen sind eine absolute Minderheit in Kirgistan und viele sind nach dem Untergang der Sowjet-Ära wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

Kirgisen

Alter Kirgise
Kirgisicher Mann

Mit ca. 65% Bevölkerungsanteil machen die Kirgisen den größten Anteil in Kirgistan aus. Sie sollen aus dem mongolischen Altai-Gebirge stammen und sich auf dem Weg in den Süden insbesondere mit den Turkvölkern vermischt haben. Die nomadischen Wurzeln der Kirgisen sind ca. 3000 Jahre alt und lebensnotwenig in dieser rauen Gebirgswelt. So zogen die Nomaden auf der Suche nach Weiden und Wasser oft von einer Gegend zur anderen. Noch heute leben viele Kirgisen diese nomadischen Traditionen, wenn auch nicht mehr so spartanisch wie ihre Vorfahren. Im 9. – 10. Jh. begann die Islamisierung der Kirgisen. Hierzu beigetragen hatte eine bedeutende Schlacht im Jahr 751 zwischen den Arabern und Chinesen, die bis dahin ihren Machtanspruch in Mittelasien geltend machten. Die Schlacht endete mit dem Sieg der Araber, genauer gesagt der Abbasiden (muslimisches Herrschergeschlecht), welche die Islamisierung in Mittelasien vorantrieben. Auch wenn sich die Kirgisen überwiegend zum sunnitischen Islam bekennen und hier auch eine Zunahme gerade zu verzeichnen ist, pflegen sie nach wie vor ihre schamanischen Rituale, die in Verbindung mit dem Nomadentum stehen. Aufgrund ihrer Sprache werden sie den Turkvölkern zugeordnet.

Usbeken

Kind in Süd-Kirgistan
Kind in Süd-Kirgistan

Die Usbeken sind die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe nach den Kirgisen und haben einen Anteil von ca. 15%, wobei genaue Angaben fehlen, da viele nach den blutigen Unruhen von 2010 nach Usbekistan geflüchtet sind. Damals wurden tausende Menschen getötet, meistens Usbeken und in Osch und Dschalalabad brannten die Häuser und Autos gingen in Flammen auf. Jetzt hat sich die Lage wieder beruhigt, aber das Misstrauen bleibt. Der Auslöser dieser Konflikte ist ebenfalls umstritten, man vermutet sogar eine Einmischung des abgesetzten Präsidenten Bakijew, der vermutlich Terroristen finanzierte, welche die Ereignisse provozierten, um so das Land zu destabilisieren. Russland schickte damals, auf Wunsch der kirgisischen Übergangsregierung, militärische Unterstützung nach Kirgistan, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Das historische Siedlungsgebiet der Usbeken ist das Fergana-Becken an der Grenze zu Usbekistan und einige kleinere Gruppen leben auch in Bischkek, Karakol und Tokmak im Norden des Landes. Die Aussprache und der Wortschatz der Usbeken unterscheiden sich stark vom Kirgisischen, trotz der gemeinsamen Sprachfamilie. Die Usbeken bestreiten ihr Haupteinkommen aus der Landwirtschaft, dem Obstanbau und dem Handel. Wie auch die Kirgisen, sind die Usbeken begnadete Handwerker, deren Kunstfertigkeiten auf den Basaren in Südkirgistan eindrucksvoll bewundert werden können.

Russen und andere Minderheiten

Die Russen zählen, zusammen mit den Ukrainern und den Weißrussen, zu den slawischen Minderheiten in Kirgistan mit gerade einmal 8,3 % Bevölkerungsanteil (Volkszählung 2009). Sie sind vor allem im Tschuj-Tal (Tschüi), Bischkek und am Issyk Kul zu finden. So tragen viele Orte hier noch russische Namen. Auch in den Hochtälern siedelten sie sich an, so im Kotschkor-Tal, am mittleren Naryn und im At-Baschy-Tal, wo sie insbesondere Viehzucht und Imkerei betrieben. Nach der Sowjet-Ära leben auch noch an die 100.000 Deutsche in Kirgistan, die aber mittlerweile, aufgrund der Perspektivlosigkeit nach dem Zerfall, nach Deutschland ausgewandert sind. So gibt es den Ort Rotfront im Tschuj-Oblast, der von Mennoniten aus Norddeutschland als „Bergtal“ gegründet wurde und 1931 in Rotfront umbenannt wurde. Ein kleines Museum berichtet noch von dem Leben der Deutschen in Rotfront, obwohl der Ort mittlerweile wieder in kirgisischer Hand ist.