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Nomadentum und Handwerkskunst in Kirgistan

Nomadentum

Die Kirgisen waren fast 3000 Jahre lang Nomaden, da es die bestmögliche Lebensweise darstellte, um in der Extremlandschaft zwischen Steppe, Halbwüste und Hochgebirge zu überleben. Einen zentralen Platz in der kirgisischen Kultur nehmen die Pferdezucht und das Leben in der Jurte ein. Der Stellenwert der Jurte lässt sich leicht an der Tatsache ablesen, dass die Nationalflagge das Gestänge einer Jurte um die obere Rauchabzugsöffnung (den Tündük) darstellt. Die Strahlen im Kreis stehen symbolisch für die verschiedenen kirgisischen Stämme, die sich unter Manas vereinigt haben. Zu UdSSR-Zeiten wurde während der Kollektivierung unter Zwang versucht, dieses Nomadentum durch Verbote und Verfolgung auszutreiben, was nie recht gelang.

Pferde am Songköl von Pixabay
Songköl – Nomadenleben am Hochgebirgssee

Die Nomaden sind nicht nur Viehzüchter, sondern auch ein ausgesprochenes Reitervolk und Meister auf diesem Gebiet. So ist es nicht verwunderlich, dass angenommen wird, dass die Kirgisen aus dem mongolischen Altaigebirge stammen und sich auf ihrer Wanderung mit turksprachigen Völkern mischten. Schon früh lernen die Kinder das Reiten. Das zierliche Kirgisenpferd, das durch seine kleine Größe die ideale Wendigkeit in der rauen Bergwelt mitbrachte, wurde zu Zeiten des Kommunismus fast ausgerottet. Aber die Kirgisen versteckten ihre Pferde in den Bergen. Heute gibt es eine Rückbesinnung auf die nomadischen Traditionen. So leben auch große nomadische Reiterfeste, wie das Pferderennen „At-tschabysch“, und Reiterspiele, Ringkämpfe und Jagden mit Adlern und Windhunden wieder auf.

Und auch wenn die Kirgisen nicht mehr wie ihre Vorfahren leben, so hat sich das Nomadenleben bis heute erhalten. In den Sommermonaten sieht man nach wie vor Kirgisen – wie z. B. am Songköl-See – ,die mit ihren Herden auf die Sommerweiden ziehen und in Jurten wohnen und im Winter zu ihren festen Behausungen zurückkehren – dieses Leben wird auch als Halbnomadentum bezeichnet und ist nach wie vor weit verbreitet, nicht zuletzt auch, weil das Jurtenleben auch für Touristen ein interessantes Abenteuer darstellt. Und die Kirgisen aus der Stadt haben häufig Verwandte, die diesen Lebensstil noch pflegen. Die Jurten sind heutzutage komfortabler ausgestattet, teilweise mit Radio, Fernsehen, Solarkollektoren und kleinen Mini-Wind- und Wasserkraftanlagen für den nötigen Strom.

Filz- und Lederbearbeitung, Jurtenbau

Jurte von Innen von Pixabay
Komfortable Jurte

Die Kirgisen sind, wie alle Nomadenvölker, Überlebenskünstler und geschickte Kunsthandwerker. Natur- und Tiermaterialien wurden für den Bau und die Einrichtung der Behausung, Kleidung und anderer Gebrauchsgegenstände genutzt. An den langen Abenden filzten vornehmlich die Frauchen kunstvolle Teppiche, warme Hausschuhe, Westen sowie Kappen und Mützen. Die Männer hingegen verarbeiteten Holz, Leder, Steine und Metall zu Türen, Fässern, Sätteln, Peitschen und alles was zum Leben benötigt wurde. Auch Schmuck und Musikinstrumente wurden mit viel Liebe hergestellt.

Die lange Tradition dieses Handwerks hatte es zur Perfektion gebracht, so dass von Kunst geredet werden kann. Schon die Jurte ist ein ausgeklügeltes Kunstwerk, verziert mit Ornamenten, geschmückt mit Filzteppichen und Hartgrasmatten. Dabei hat jeder Nomadenstamm seine eigene Symbolik, die in den Ornamenten ausgedrückt wurde und die Stämme konnten sich zuordnen. Mittlerweile verdienen sich die Nomaden mit ihren Fertigkeiten ihren Lebensunterhalt und verkaufen diese als Souvenirs an Touristen. Vor allem die Märkte in Bischkek und Osch an der berühmten Seidenstraße sind ein beliebter Handelsplatz.

 

Erleben Sie die Zeugnisse der Nomadenkultur, fahren Sie entlang der Seidenstraße und übernachten Sie in Jurten

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